"Eine Chance bekommt man nicht, eine Chance macht man sich."

 

Diese Aussage landete in meinem Leben, als ich Anfang zwanzig war und sie kam von meinem damaligen Chef. Ich hatte ihn um seine Meinung zu einer neugeschaffenen, internen Arbeitsstelle gefragt, auf die ich mich bewerben wollte. Die Herausforderung schien groß und ich war recht unerfahren, aber ich strebte konsequent nach Höherem. Zumindest in der Theorie.

 

In meinem Kopf wälzte ich aufwändig das Für und Wider. Mein Vorgesetzter sah dem Treiben eine Weile zu und fragte schließlich, ob ich mich langsam zu einer Entscheidung durchringen könne. Da fragte ich ihn - vorauseilend resigniert: " Habe ich überhaupt irgendeine Chance?"

Und da kam sie, die Antwort, um die sich diese Geschichte dreht: "Eine Chance bekommt man nicht, eine Chance macht man sich."

 

Peng!

 

Dass diesem Statement eine gewisse Magie innewohnt, habe ich gleich gespürt. Allerdings hatte ich mir eher ein paar anfeuernde Lobeshymnen auf meine Kompetenz erhofft, aus denen ich die notwendige Courage zum Aufbruch hätte beziehen können. Stattdessen sah ich mich zurückgeworfen auf die unkomfortable Vorstellung, dass man sich seine Chancen im Leben selbst zu machen habe.

 

Mangels Autonomie habe ich mich schließlich gar nicht erst beworben. Das Abenteuer zog vorüber und ich atmete erleichtert auf. Der berühmte "Spatz in der Hand" gab mir ein schockierend heimatliches Gefühl - und gleichzeitig träumte ich weiter von all den Arbeitsangeboten "da draußen".

 

Mein Chef und ich blieben uns noch eine ganze Weile erhalten.

 

Im Nachhinein habe ich mich oft gefragt, was es mit den Chancen im Leben auf sich hat. Ob man sie tatsächlich nur bekommt, wenn man sie sich macht. Oder ob sie doch irgendwie "von selbst" daher kommen und einfach nur beherzt ergriffen werden wollen. Und irgendwie scheint es, als hielten sich die Chancen immer in der Nähe von Reue auf, dieser ganz besonderen Art von Wehmut, die sich einstellt, wenn aus einstigen Chancen verpasste Gelegenheiten geworden sind.

 

Was macht man nun mit all diesen Möglichkeiten? Gilt es ihnen permanent aufzulauern oder darf man Chancen auch genüsslich verpassen?

 

Mir persönlich weisen die Worte von damals immer wieder einmal den Weg - und dieser eine Satz meines Chefs ist schon vor langer Zeit zu  meinem geworden. Arg bequem finde ich ihn bis heute nicht. Aber er gibt mir seither sehr zuverlässig immer wieder den notwendigen inneren Ruck.  

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag -  und viele gute Chancen.

 

p.s.  Wenn Sie mir Ihre Gedanken zu diesem Thema schreiben möchten, senden Sie mir gern eine E-Mail mit dem Betreff "Chancen."

 

 

 

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